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Ärzte-Symposium als Chirurgie-Update

Professor Albrecht Wilhelm gewürdigt, Schwerpunkt Handchirurgie

Veranstalter Prof. Dr. Moghaddam mit Prof. Dr. Henrik Menke aus Offenbach

Rund 100 Teilnehmer besuchten das Symposium des Zentrums für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin, das zu Ehren des Aschaffenburger Arztes (Chefarzt von 1970 bis 1994) den Namen „Prof. Albrecht Wilhelm-Symposium“ trug. „Wir wollen damit das Andenken an einen großen Chirurgen aufrecht erhalten“, sagte Prof. Dr. Arash Moghaddam, als Leiter des Zentrums auch Organisator des Symposiums.   

11 Referate behandelten aktuelle Therapien und neueste universitäre Erkenntnisse aus verschiedenen Bereichen. Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Handchirurgie, für die Professor Wilhelm bekannt war. Dr. Berthold Bickert, Handchirurg der BG-Unfallklinik in Ludwigshafen und designierter Präsident der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie, erläuterte die Therapie bei Scaphoidfraktur (Kahnbein, Handwurzelknochen). Der Sektionsleiter für Handchirurgie im Klinikum, Dr. Theodoros Matziaris, stellte anhand von sieben Fallbeispielen das arthroskopische Vorgehen im Klinikum vor, wobei er aufgrund unterschiedlicher Belastungen zwischen White und Blue Collar-Verletzungen unterschied. Der Chefarzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie der Sana-Klinik in Offenbach, Prof. Dr. Henrik Menke, sprach über den die Handfunktion wiederherstellenden Sehnentransfer.

Weitere Themen waren Traumaversorgung an einem überregionalen Traumazentrum (Referent Oberarzt Dr. Tim Arnold), Knie-Endoprothetik (Chefarzt Dr. Borhan Hoda), sowie Endoprothetik an Schulter, Knie und Hüfte (Chefarzt Prof. Dr. Arash Moghaddam), die von Experten aus dem Klinikum abgedeckt wurden. Unter den weiteren Referaten fiel der Beitrag von PD Dr. Rezvan Ahmadi (Schmerztherapie, Universitätsklinik Heidelberg) über Neuromodulation auf, ebenso wie zwei Forschungsberichte aus der Orthopädischen Uni-Klinik Heidelberg. Raban Heller sprach über Forschungsfortschritte bei der Behandlung von posttraumatischen Querschnittslähmungen, Dr. Fabian Westhauser stellte Untersuchungen zu Knochenersatzmaterialien, wie Calciumphosphat und Bioglas sowie Kombinationen aus beidem vor.

Aus dem Rahmen fiel die höchst unterhaltsame Laudatio auf Prof. Dr. Albrecht Wilhelm, den Namensgeber des Symposiums. Dr. Bruno Hock, heute Triefenstein, hatte als PJ-Student, als Assistenz- und später Oberarzt, 8 Jahre unter Prof. Wilhelm gearbeitet. „Learning by Looking“, nannte er die Lehrmethode, die nebenbei einen Gang durch die Medizingeschichte lieferte.  Die Ausführungen stießen auch bei den Nachkommen von Prof. Wilhelm, Sohn Dr. Wolfgang Wilhelm aus Haibach und Enkel Markus Wilhelm auf viel Interesse.

„Wissen und überragende Erkenntnisse machten Wilhelm für mich zum „Godfather of Surgery, zum Gott der Chirurgie“, bekannte Hock. Wilhelm sei „die oberste chirurgische Instanz“ in Stadt und Landkreis Aschaffenburg gewesen. Dabei war er, wie bis in die 90er Jahre üblich, in allen Bereichen der Chirurgie tätig, in der Orthopädie wie der Unfall- und Handchirurgie, ebenso in der Gallen- und Magenchirurgie mit Ausflügen in Neurochirurgie und Frauenheilkunde. Hock erinnerte aber auch an harte Arbeitsvorgaben und unorthodoxe Methoden, wie die 24-Stunden Desinfektion der Hände in Alkohol vor einem Eingriff oder die Abpolsterung nach Eingriffen mit Stahlwolle: „Als der Verband nach Wochen gelöst und die verrostete Stahlwolle entfernt war, kam darunter reine Haut zum Vorschein.“

Prof. Wilhelm war einer Reihe der Anwesenden noch persönlich bekannt. Als Chefarzt abgelöst wurde er 1994 von Prof. Dr. Dr. h.c. Wilhelm Friedl, dem Vorgänger von Prof. Dr. Moghaddam. Wilhelm ist 2017 im Alter von 88 Jahren gestorben. 

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