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Klinikum Aschaffenburg-Alzenau

 

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Klinikum etabliert neue Abteilung für Schmerztherapie

Schätzungen zur Folge leiden 15 Millionen Menschen in Deutschland an chronischen Schmerzen, damit ist der chronische Schmerz die häufigste chronische Erkrankung. Mit der Einführung der Schmerztherapie als eigene Abteilung erweitert das Klinikum Aschaffenburg-Alzenau sein medizinisches Leistungsspektrum.

Zukünftig können dort neun und später bis zu 18 chronische Schmerzpatienten stationär am Standort Alzenau behandelt werden. Geleitet wird die neugegründete Abteilung der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin vom Schmerzspezialisten Dr. Claudius Böck.

Akutschmerztherapie gibt es am Klinikum Aschaffenburg-Alzenau schon seit Jahren. Doch wodurch unterscheidet sich die Akutschmerztherapie von der Therapie chronischer Schmerzen?

„Die Therapie von chronischen Schmerzen unterscheidet sich grundlegend von der Akutschmerztherapie“, erläutert Dr. Claudius Böck. „Denn in der Therapie chronischer Schmerzen geht es nicht nur um die beste Einstellung der Medikamente, sondern die Schmerztherapie verfolgt einen vollkommenen anderen, multimodalen und ganzheitlichen Ansatz.“

Wie unterscheidet sich der akute vom chronischen Schmerz?

Wenn Schmerzen länger als drei Monate anhalten und auch einer Therapie trotzen, dann liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein chronischer Schmerz vor. Häufig wirkt sich der Schmerz nicht nur auf die Psyche aus, sondern verursacht auch im weiteren Verlauf tatsächlich Veränderungen im Gehirn, im Rückenmark und an den Nerven. Spätestens dann, wird der Schmerz zu einer eigenständigen Erkrankung, die nach vollkommen anderen Kriterien behandelt werden muss, wie akute Schmerzen, beispielsweise nach einer Verletzung oder nach einer Operation. Jedem chronischen Schmerz geht allerdings immer ein akuter Schmerz voraus.

 

Ein Beispiel, das die Problematik der chronischen Schmerzen gut greifbar macht, ist der Phantomschmerz. Hier gibt es keine Möglichkeit mehr die fehlende Extremität zu behandeln. Der Auslöser des Schmerzes ist hier im Gehirn und den Nerven zu finden. „An der eigentlichen Ursache der Schmerzerkrankung können wir häufig nichts mehr ändern, denn die liegt oft jahrelang zurück und ist, ähnlich wie bei den Phantomschmerzen, dann auch nicht mehr die Ursache der Schmerzen“, so Böck.

Menschen, die unter chronischen Schmerzen leiden, merken häufig nicht, wie sehr sie und ihre Familie unter dem chronischen Schmerz leiden. Denn durch den Schmerz verändert sich auch häufig die Persönlichkeit der Menschen. „Schmerz ist ein subjektives Erlebnis, das nicht sichtbargemacht werden kann“, schildert Böck. „Dadurch leiden die Patienten auch unter fehlender Akzeptanz für ihre Erkrankung.“

Bei der Therapie der chronischen Schmerzen geht es vor allem um einen besseren Umgang mit den Schmerzen und damit verbunden dem Erreichen einer höheren Lebensqualität. „Es geht nicht sofort um Pillen und Spritzen, sondern es beginnt mit einer sehr ausführlichen Anamnese,“ erläutert Böck. Schmerztherapie wird am Klinikum grundsätzlich als interprofessionell verstanden. So erhalten die Patienten unter anderem eine Kombination aus Physio-, Ergo-, Entspannungs- und Psychotherapie sowie Biofeedback.

Dr. Claudius Böck ist Facharzt für Anästhesiologie mit der Zusatzbezeichnung spezielle Schmerztherapie. Zuletzt war er zehn Jahre lang niedergelassener Schmerztherapeut, Palliativmediziner und Gutachter in Berlin.  Davor vier Jahre Chefarzt einer interdisziplinären Abteilung für Schmerztherapie auf der Insel Usedom.