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Klinikum Aschaffenburg-Alzenau

 
Leitender Arzt der Abteilung Rhythmologie

Dr. med. Guido Groschup

Tel.: 06021 32-3006

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Leistungsspektrum

Die Rhythmologie, auch klinische Elektrophysiologie genannt, umfasst sowohl die Diagnose als auch die Behandlung von Herzrhythmusstörungen.

Dabei kann die Therapie

  • medikamentös, also durch den Einsatz von Antiarrhythmika,
  • oder über Katheterablation (auch “Verödungstherapie“) erfolgen.

Zur Behandlung langsamer Herzrhythmusstörungen sowie zum Schutz vor bösartigen Rhythmusstörungen und zur unterstützenden Behandlung der ausgeprägten Herzmuskelschwäche werden implantierbare Herzschrittmacher, beziehungsweise Defibrillatoren, eingesetzt.

Die Eingriffe finden im elektrophysiologischen EPU-Labor des Klinikums statt. Es erfüllt die Voraussetzungen eines OP-Saales. Die apparative Ausstattung ist mit der Zwei-Ebenen-Durchleuchtungs-Anlage auf neuestem technischem Stand.

Jeder Behandlung Ihrer Herzerkrankung geht die genaue Diagnose zur Abklärung voraus. Danach schlägt Ihr Arzt eine Behandlung vor und erläutert die Methode. 

Die folgende Übersicht der Behandlungsmöglichkeiten liefert nur einen Überblick: 

Supraventrikuläre Tachykardien (Rhythmusstörungen aus den Vorkammern)

Rhythmusstörungen aus den Vorhöfen des Herzens sind in der Regel  gutartig. Doch gehen sie häufig einher mit einer ausgeprägten Symptomatik wie Schwindel, Schweißausbruch, Leistungsminderung etc.

Es gibt viele verschiedene Arten der Vorhof-Tachykardien, auch schon im jungen Lebensalter, die meist durch eine Katheterablation geheilt werden können. Die Eingriffe werden in örtlicher Betäubung und einer nach individuellen Bedürfnissen angepassten Schlafmedikation durchgeführt.

Die häufigste Herzrhythmusstörung ist das Vorhofflimmern, vor allem im höheren Lebensalter. Behandelt sie mit geeigneten Medikamenten, den sogenannten Antiarrhythmika; doch bringt diese Therapie langfristig eher geringe Erfolgsaussichten. Daneben besteht mittlerweile die Möglichkeit, eine Vorhofflimmer-Ablation durchzuführen.

Wir setzen dazu sowohl die schonende Cryoablation (Kältebehandlung, Verödung der Lungenvenen über Kälte) als auch bei Bedarf eine Verödungstherapie mit Radiofrequenzenergie in Kombination mit einem 3-D-Mapping-System ein.

Die Auswahl des Verfahrens wird individuell getroffen und im Voraus mit dem Patienten besprochen.

Ventrikuläre Tachykardien (Rhythmusstörungen aus den Herzkammern)

Tachykardien aus den Herzkammern treten häufig bei Patienten mit bereits bestehender Herzerkrankung auf, zum Beispiel nach einem Herzinfarkt. Diese Tachykardien sind potentiell bedrohlich und können zu einem plötzlichen Herztod führen.

Darüber hinaus gibt es sogenannte idiopathische Kammertachykardien ohne zugrunde liegende strukturelle Herzerkrankung.

Das Auftreten der Rhythmusstörungen kann neben der medikamentösen Behandlung über einer Ablationsbehandlung häufig reduziert werden. Wegen des weiterhin bestehenden Risikos für einen plötzlichen Herztod benötigen die Patienten meistens zusätzlich einen implantierbaren Defibrillator.

Bei den idiopathischen Kammertachykardien kann in einem hohen Prozentsatz eine Heilung erfolgen.

Interventioneller Vorhofverschluss

Neues Therapieangebot zur Vermeidung von Schlaganfällen

Seit Februar 2011 bietet die rhythmologische Abteilung Vorhofflimmerpatienten ein alternatives Therapieangebot zur dauerhaften oralen Antikoagulation (“medikamentöse Blutverdünnung“).

Normalerweise wird eine medikamentöse Behandlung zur Vermeidung von Schlaganfällen empfohlen. Patienten, die jedoch ein hohes Blutungsrisiko tragen oder vielleicht schon einmal eine bedrohliche Blutung erlitten haben, kann durch einen interventionellen Verschluss des linken Vorhofohres eine nach bisherigen Untersuchungen gleichwertige Therapie mit geringerem Blutungsrisiko angeboten werden.

Die Katheterbehandlung dauert ca. eine Stunde. Da der Katheter durch die Vorhofscheidewand in den linken Vorhof vorgebracht werden muss, ist diese Behandlung gerade in der Hand von erfahrenen Elektrophysiologen, die häufig mit ähnlichen Kathetern im linken Vorhof arbeiten, gut aufgehoben. Zum Verschluss des Vorhofohres wird bisher in Aschaffenburg das Watchman®-Device verwendet, das in einer großen klinischen Zulassungsstudie im Vergleich mit einer Marcumarbehandlung nicht unterlegen war.

Interventioneller Vorhofohrverschluß zur Vermeidung von Schlaganfällen bei Vorhofflimmern

Bei Patienten mit Vorhofflimmern besteht ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall durch Verschleppung von Blutgerinnseln aus dem Herzen in das Gehirn. Über 90%  dieser Gerinnsel bilden sich in dem sogenannten linken Vorhofohr, einem Teil der linken Vorkammer des Herzens.
Die Standardbehandlung zur Vorbeugung solcher Embolien (Verschleppung von Gerinnseln) besteht in einer dauerhaften Blutgerinnungshemmung (“Blutverdünnung“) mit Marcumar oder den neuen Antikoagulantien, die seit 2011 ebenfalls für diese Behandlung zugelassen sind.

Für Patienten, die diese Medikamente nicht vertragen oder während der Behandlung schwere Blutungskomplikationen erlitten haben, bieten wir eine Versiegelung des Vorhofohres mittels eines kleinen “Schirmchens“ an.

Der Kathetereingriff dauert ca. eine Stunde. Dabei wird eine Schleuse über die Vene im Bein zunächst in die rechte Vorkammer und dann in die linke Vorkammer eingeführt. Anschließend kann unter Ultraschall- und Röntgenkontrolle das Schirmchen im Vorhofohr verankert werden (siehe Abbildung). Innerhalb der nächsten 2 Monate heilt das Schirmchen im Herzen ein und wird von Endokard (Herzinnenhaut) überwachsen. 

Die Patienten können dann auf die Behandlung mit Marcumar verzichten und sind trotzdem vor einem Schlaganfall geschützt.

Herzschrittmacherimplantation bei Bradykardien (langsame Rhythmusstörungen/Pausen)

Bei langsamen Herzrhythmusstörungen und Pausen, nachgewiesen über ein EKG, besteht bei zusätzlicher Symptomatik (zum Beispiel Schwindel, Bewusstseinsverlust, Herzschwäche) und nach Ausschluss behandelbarer Ursachen die Indikation zur Implantation eines Herzschrittmachers.

Vorgehen

Der Eingriff kann in lokaler Betäubung und mit Hilfe einer Schlafmedikation durchgeführt werden. Dabei werden ein oder zwei Sonden über eine Vene im rechten Herzen verankert und ein kleiner Herzschrittmacher im Bereich des Brustmuskels unter die Haut implantiert. Der Schrittmacher überwacht dann kontinuierlich den eigenen Herzrhythmus und kann bei Bedarf durch Stimulation über die Sonden den “Takt“, also die Herzfrequenz, vorgeben.

Implantierbare Defibrillatoren zum Schutz vor einem plötzlichen Herztod

Bei stark reduzierter Pumpfunktion des Herzens entweder aufgrund einer muskulären Schwäche (Dilatative Cardiomyopathie - DCM) oder durch eine koronare Herzerkrankung (Ischämische Cardiomyopathie) steigt das Risiko für einen plötzlichen Herztod durch ventrikuläre Tachykardien oder Kammerflimmern. Patienten mit bereits überlebtem plötzlichen Herztod oder einem hohen Risiko, in Zukunft solche Rhythmusstörungen zu entwickeln, sollten daher mit einem sogenannten ICD (Implantierbarer Cardioverter-Defibrillator) versorgt werden.

Die Implantation erfolgt ähnlich wie bei einem Herzschrittmacher

Neben den Funktionen eines Herzschrittmachers können ICD jedoch auch schnelle Rhythmusstörungen oder Kammerflimmern erkennen und durch Überstimulation (ATP) oder einen Strom-Impuls (Schockabgabe) beenden. Auf diese Weise können ICD den plötzlichen Herztod verhindern.

Implantierbare Defibrillatoren zur Behandlung der schweren Herzschwäche (CRT-ICD)

Circa 30 Prozent der Menschen mit ausgeprägter Herzschwäche zeigen im EKG einen sogenannten Linksschenkelblock. Das bedeutet, dass die linke Herzkammer elektrisch später erregt wird als die rechte. Dadurch kommt es im Bewegungsablauf des Herzmuskels zu einer asynchronen Schaukelbewegung. Sie führt bei dem geschwächten Herzen zu einem weiteren Leistungsverlust. Bei fortbestehender Luftnot trotz optimaler medikamentöser Behandlung der Herzschwäche besteht für diese Patienten die Möglichkeit, einen 3-Kammer-ICD zu implantieren.  Durch eine dritte Sonde, die durch eine Vene zur linken Herzkammer geführt wird, kann dort der elektrische Impuls frühzeitig gestartet werden, um die Asynchronie auszugleichen. Diese Behandlung wird auch “cardiale Resynchronisationstherapie“ bzw. kurz CRT genannt.

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