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Klinikum Aschaffenburg-Alzenau

 

Leiter Endoprothesen-Zentrum

Leitender Oberarzt

Dr. med. Ulrich Göhring

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Chirurgie, spezielle Unfallchirurgie, Notfallmedizin

Prothesensprechstunde

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Kniegelenk-Totalersatz

Eine Kniearthrose beeinträchtigt fast alle alltäglichen Bewegungen vom normalen Gehen oder Treppen hinab- und hinaufsteigen bis hin zur jeder sportlichen oder Freizeitaktivität.

Es gibt viele Ursachen, die eine Gonarthrose begünstigen. Verursachen äußere Faktoren den Gelenkverschleiß, handelt es sich um eine sekundäre Arthrose. Lassen sich keine Gründe dafür finden, warum diese Krankheit auftritt, sprechen Mediziner von einer primären Arthrose.

Bei der primären Arthrose vermuten Wissenschaftler eine erbliche Veranlagung, die allerdings nicht zwangsläufig zu einem Gelenkverschleiß führt.

Die Hintergründe der sekundären Arthrose sind besser bekannt: Vorerkrankungen, Sportverletzungen, Fehlstellungen, Übergewicht oder anhaltende Überbelastungen. Meist steckt eine Kombination mehrerer Ursachen hinter der Krankheit.

Es existieren viele sogenannte konservative Behandlungsmöglichkeiten, die in der Regel aus physikalischen und physiotherapeutischen Maßnahmen und aus Schmerzmitteln bestehen. Die Arthrose auf diese Art zu heilen ist nicht möglich. Auch aus diesem Grund werden in Deutschland jährlich circa 165.000 Knieprothesen wegen Arthrose eingesetzt.

Anatomie

Das Kniegelenk besteht aus dem unteren Ende des Oberschenkelknochens (Femur) und dem oberen Ende des Schienbeins (Tibia), die den sogenannten femurotibialen Gelenkabschnitt bilden. Zusätzlich besteht im Knie eine Gelenkfläche zwischen der Vorderfläche des Oberschenkelknochens und die Rückfläche der Kniescheibe (Patella) – das sogenannte Retropatellargelenk. Diese drei Knochen sind mit Knorpel überzogen, der Stoßbelastungen abfedert und als glatte Gelenkfläche zusammen mit der Gelenkflüssigkeit (Synovia) ein reibungsfreies Bewegen ermöglicht.

Im Kniegelenk befinden sich noch der Innen- und der Außenmeniskus. Dabei handelt es sich um keilförmige, seitlich ins Gelenk hineinragende Knorpelstücke. Sie wirken als Stoßdämpfer zwischen Oberschenkel und Schienbeinknochen, da sie die Gelenkauflagefläche bei Belastung vergrößern und dem Kniegelenk zusätzliche Stabilität verleihen.

Wesentliche Kniegelenk-Stabilisatoren, die auch den Bewegungsablauf sichern, sind das vordere und hintere Kreuzband, die Seitenbänder und die das Gelenk umgebende Kapsel.

Arthrose im Kniegelenk

Die wichtigsten Arten von Arthrose, die das Knie betreffen, sind Osteoarthrose, posttraumatische Arthrose und rheumatoide Arthritis.

Die Osteoarthrose ist die am häufigsten beobachtete Form der Kniegelenkarthrose, die als Verschleiß gegebenenfalls auch in der Familie gehäuft auftritt. Die Erkrankung betrifft meistens Patienten ab dem 50. Lebensjahr, aber auch bei jüngeren Patienten kann eine Kniegelenkarthrose auftreten.

Bei einer Osteoarthrose wird der Knorpel zunehmend abgerieben, bricht auf und verliert an Höhe, bis schließlich beim Bewegen Knochen auf Knochen reibt und Belastungs- oder sogar Ruheschmerzen verursacht. Bis es zu diesem starken Abrieb mit entsprechender Beschwerdesymptomatik kommt, vergehen meist viele Jahre. Dann entstehen auch Achsabweichungen am Bein, wie O- oder X- Beine.

Die posttraumatische Arthrose entwickelt sich nach einer Knieverletzung. Zum Beispiel kann ein Schienbeinkopfbruch die Gelenkoberfläche betreffen und Jahre nach der Verletzung zur Arthrose führen. Meniskuseinrisse und Bänderverletzungen können Instabilität und dadurch zusätzlichen Verschleiß am Kniegelenk verursachen.

Rheumatoide Arthritis ist eine chronische Erkrankung, die meist mehrere Gelenke im menschlichen Körper einschließlich des Kniegelenks befällt. Sie ist symmetrisch, das heißt, dass in der Regel das gleiche Gelenk auf beiden Seiten des Körpers betroffen ist. Bei der rheumatoiden Arthritis schwillt die Synovialmembran an, die das Kniegelenk bedeckt. Dies führt zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Die rheumatoide Arthritis ist eine Autoimmunkrankheit. Das Immunsystem greift also sein eigenes Gewebe an und schädigt normales Gewebe, wie Knorpel, Bänder und Knochen.

Wie läuft eine Operation ab?

Ein künstlicher Kniegelenkersatz (Kniearthroplastik) besteht in der Regel aus einem Oberflächenersatz der gelenkbildenden Strukturen – wie wenn ein Zahn überkront wird. Es gibt vier Operationsschritte:

Vorbereitung des Prothesenlagers: die beschädigten Knorpelflächen werden an den Enden von Femur und Tibia abgetragen. Je nach Größe des Gelenks gibt es verschieden Größen. Um zu beurteilen, welche Größe für den Patienten in Frage kommt, werden standardisierte Kniegelenkaufnahmen (zum Beispiel eine Ganzbein-Standaufnahme) angefertigt. Hiermit kann eine notwendige Achskorrektur bis hin zu den Größen der einzelnen Prothesenkomponenten geplant und vor der Operation festgelegt werden.

Positionierung der künstlichen Oberflächenkomponenten: Der entfernte Knorpel und Knochen wird am Femur durch kufenartige Kunstkomponenten aus einer Metalllegierung ersetzt, die das Gelenk exakt nachbilden. Am Schienbeinkopf wird ein Träger zur Verankerung der gehärteten Polyethylenkomponenten eingesetzt. Beide Komponenten können zementiert oder zementfrei verankert werden. In der Regel wird die tibiale Komponente zementiert.

Abstandhalter: Ein Zwischenstück aus gehärtetem Polyethylen, das mit der kufenartigen Oberfläche des Oberschenkels korrespondiert, wird am Schienbeinkopfträger aufgebracht und fixiert.

Balancierung der Bandkapselspannung: Bei X- oder O-Beinen werden die Bänder innen oder außen gelockert, um so den Beuge- und Streckspalt auszubalancieren, wodurch jede Gelenkposition stabil wird.

Ist ein Kniegelenkersatz etwas für Sie?

Die Entscheidung zur Knieoperation sollte von Ihnen, Ihrer Familie und Ihrem Hausarzt zusammen mit Ihrem orthopädischen Chirurgen getroffen werden. Anstoß für Ihre Überlegungen ist in der Regel die Überweisung durch Ihren Hausarzt zu einem orthopädischen Chirurgen.

Die Empfehlung für eine Operation basiert auf den Schmerzen, der Bewegungseinschränkung, dem Röntgenbild, aber vor allem auf Ihrem persönlichen Empfinden. Die meisten Patienten, die sich einem Kniegelenkersatz unterziehen, sind zwischen 50 und 80 Jahre alt. Eine absolute Alters- oder Gewichtsbeschränkung für den Kniegelenksersatz gibt es aber nicht. Der Chirurg beurteilt jeden Patienten individuell. Die Implantation von Knieendoprothesen wird in allen Altersgruppen erfolgreich durchgeführt: vom jungen Erwachsenen mit juveniler Arthrose bis zum hochbetagten Patienten mit degenerativer Arthrose. Den Zeitpunkt für eine Operation bestimmen Sie.

Da es sich bei dieser Operation um einen Wahl-Eingriff handelt, sollte jeder Patient optimal vorbereitet und in bestmöglicher körperlicher Verfassung operiert werden.

Wann wird eine Operation empfohlen?

Es gibt mehrere Gründe, warum Ihr Arzt eine Knieoperation empfiehlt:

  • Knieschmerzen, die alltägliche Bewegungen einschränken,
  • Knieschmerzen, die in Ruhe tagsüber oder auch nachts anhalten,
  • schmerzhafte Bewegungseinschränkungen im Kniegelenk,
  • röntgenologisch starker Verschleiß im Kniegelenk,      
  • unzureichende Linderung durch Schmerzmedikamente, physikalische Therapie oder Gehhilfen,
  • oder starke Nebenwirkungen, die eine weitere Einnahme vom Schmerzmedikamenten verbieten.

Welche Untersuchungen werden durchgeführt?

Erhebung der Krankengeschichte: Ihr Arzt wird Informationen über Ihren allgemeinen Gesundheitszustand sammeln und krankheitsbezogene Fragen zu Ihren Schmerzen und Einschränkungen stellen.

Bei der körperlichen Untersuchung prüft Ihr Arzt die Beweglichkeit und die Bewegungseinschränkungen im Kniegelenk, die Achsabweichung, Ergussbildung und Ähnliches.

Im Anschluss zeigen die angefertigten Röntgenbilder das Ausmaß der Schädigung oder Deformierung im Kniegelenk. Gelegentlich können auch Schnittbilder (CT, MRT) erforderlich sein, um den Zustand des Knochens und des Weichteilgewebes im Knie zu beurteilen.

Entscheidung zum Kniegelenkersatz

Ihr Orthopäde wird mit Ihnen die Ergebnisse der Untersuchungen besprechen und mit Ihnen entscheiden, ob ein künstliches Kniegelenk Ihre Schmerzen lindern und Ihre Mobilität verbessern kann.

Darüber hinaus wird Ihnen Ihr behandelnder Arzt die möglichen Risiken und Komplikationen einer Kniegelenkersatzoperation erläutern, einschließlich jener, die nach der Operation auftreten können.

Zögern Sie nie, Ihrem Arzt Fragen zu stellen, wenn Sie etwas nicht verstehen. Je mehr Sie wissen, desto besser sind Sie in der Lage, die Operation und die darauf folgenden Maßnahmen zu bewältigen.

Welche Erwartungen sind bei einem künstlichen Kniegelenk realistisch?

Für die meisten Patienten, die sich einem Kniegelenkersatz unterziehen, verringern sich die Knieschmerzen dramatisch und alltägliche Bewegungen und damit die Lebensqualität verbessern sich signifikant.

Um den Verschleiß am künstlichen Gelenk zu reduzieren, sollten übermäßige Aktivitäten und Belastungen vermieden werden. Nach dem Knieersatz sind unbegrenztes Gehen, Schwimmen, Golfen, Autofahren, Wandern, Radfahren, Tanzen und andere Sportarten mit geringer und mäßiger Belastung dennoch realistische Aktivitäten.

Die „Lebensdauer“ der Hüftgelenkprothese kann problemlos fünfzehn Jahre betragen.

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